Reformbaustelle Fallpauschalen

Das DRG-SySTEM vor der GENERALLISIERUNG

  • Dr. Edgar Franke, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Gesundheit
  • Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“, RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
  • Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Verband der Universitätsklinika Deutschland 
  • Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende, Marburger Bund
  • Dr. Gertrud Demmler, Vorständin, SBK Siemens-Betriebskrankenkasse
  • Moderation: Dr. Andrea Grebe, Gesundheitsexpertin

Dr. Edgar Franke betont in seinem Beitrag: „wir brauchen funktionierende Krankenhäuser“ und gibt eine stückweite Entwarnung. Der Erlösausgleich (Rettungsschirm) wird auch vom Jahr 2019 für das Jahr 2022 erfolgen, die Auszahlung erfolgt jedoch erst im Jahr 2023. Die Schließung der Liquiditätslücke hat demnach oberste Priorität. Dahingehend werden bald Rahmenbedingungen und Lösungsansätze präsentiert werden, die Planungssicherheit geben und für finanzielle Stabilität sorgen. Auch er ist der Meinung, dass das DRG-System zum Teil falsche Anreize setzt und weiterentwickelt werden muss. Für Lösungen soll eine eingesetzte Regierungskomission (Stukturreformkomission) Vorschläge erbringen. Die bisher stark in den Fokus gerückten erlösunabhängigen Vorhaltepauschalen ermöglichen aus seiner Sicht eine bedarfsgerechte Verteilung von Finanzmitteln. Die Co-Finanzierung des Bundes bei Investitionen ist ebenfalls denkbar, wenn Länder der Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen können.

Nach Prof. Dr. Boris Augurzky hat sich das DRG-System bewährt. Für ihn hat es Standards geschaffen, die Transparenz und die betriebliche Effizienz erhöht. Er betont jedoch, dass jedes Vergütungssystem Nebeneffekte hat. Vor allem verhindern die derzeitigen DRGs die Ambulantisierung – eine Zwischenlösung seiner Meinung nach erforderlich. Zum Thema Vorhaltepauschalen bringt Prof. Dr. Boris Augurzky Pauschalen auf Ebene des Leistungssegments ins Gespräch.

Prof. Dr. Jens Scholz schätzt eine Weiterentwicklung der DRGs als am wahrscheinlichsten ein, betont aber, dass wir jetzt schon eine neue Form von DRG haben: Das Ausgliedern der Pflege aus den DRGs wird zwangsläufig auch zu einem Ausgliedern der Ärzte führen, da der Druck auf diese Berufsgruppen steigen wird. In der Reform ist eine Strukturbereinigung mit zentralen Regelungen notwendig, die auf Bundesebene erfolgen muss. Landratsämter können diesen Prozess seiner Erfahrung nach nicht durchhalten. Pauschalierungen und Vereinfachungen im System sind nach Prof. Dr. Jens Scholz notwendig, damit Ärzte wieder in den Beruf zurückkommen.

Dr. Susanne Johna stimmt Prof. Dr. Jens Scholz in folgendem Punkt zu: Der finanzielle Druck nach Ausgliederung der Pflege liegt nun auf dem nächsthöheren Kostenfaktor der Ärzte. Außerdem ist das System der DRGs zu komplex und verbraucht zu viel Energie, vor allem die Neuauflage und Berechnung des Systems kostet aus ihrer Sicht eine relevante Summe (für die Unterhaltung von EDV, Erlösprüfung, usw.). Das DRG System hat für sie mehr Nachteile als Vorteile. Ein entscheidendes Problem ist zudem die fehlende duale Finanzierung. Doch Finanzierung ist nicht das größte Problem betont sie, sondern der Fachkräftemangel. „Ärzte können nicht in Kontrollinstanzen sitzen“.

Der Lösungsraum liegt nach Dr. Gertrud Demmler nicht bei Abschaffung oder Weiterentwicklung der DRGs. Das größte Problem ist die nicht gelöste Investitionskostenfrage. Die Pflege ist ihrer Ansicht nach durch die mangelnde duale Finanzierung in den Rationierungsprozess geraten. Die Politik muss bei Ihrem Reformvorhaben ein klares Ziel formulieren. Die Mengenorientierung unter Ressourcenproblematik des Personals sollte in Zukunft überdacht werden. Weiterhin sieht sie keine Entwicklungsebene, um über Qualität zu sprechen existieren. Es muss eine Bereitschaft von Krankenhäusern und Krankenkassen geben, um über Qualität und Inhalte zu sprechen.


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