DRG-Forum 2022 | Der Klinik-Kongress 

Das diesjährige hybride DRG-Forum hat einen intensiven gesundheitspolitischen Austausch gefördert. Im Mittelpunkt stand der Koalitionsvertrag, dessen Auswirkungen auf die Kliniken und das Gesundheitssystem sowie die ersten gesetzgeberischen Schwerpunkte der neuen Bundesregierung. Während der zweitägigen Veranstaltung gab es zahlreiche Diskussionen unterschiedlicher Stakeholder des deutschen Gesundheitswesens, Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft. So wurden wegweisende Themen wie die Reform des DRG-Systems und die Transformation der Versorgungslandschaft sowie die Kernfragen rundum das Thema Pflege behandelt.

Kurze Zusammenfassung

Unsere Beitragsreihe zum diesjährigen DRG-Forum beinhaltet den Politischen Auftakt, durch den Gesundheitsminister Karl Lauterbach, gefolgt von einer Diskussion einzelner Spitzenvertretern des Gesundheitswesens. Darin wird unteranderem die sektorübergreifende Versorgung und deren Finanzierung, Vorhaltepauschalen für einzelne Fachabteilungen, die Ambulantisierung sowie das Problem der knappen Personalbesetzung in der ambulanten und stationären Versorgung thematisiert werden. Gefolgt von dem im diesjährigen Forum erwarteten Update zur Krankenhausfinanzierung und DRG-Kalkulation.

Im Weiteren sind Inhalte zur Reformbaustelle Fallpauschalen, der aktuellen und zukünftigen Pflegepolitik, der Ambulantisierung sowie allem Wissenswertem rund um das von den Regierungsparteien zum Patentrezept für das Gesundheitssystem auserkorenem Thema der regionalen Versorgung für Sie zusammengetragen. 

Politischer Auftakt

Neustart nach der Wahl

In seiner Videobotschaft zur Eröffnung des DRG-Forums lobt Gesundheitsminister Karl Lauterbach den Einsatz der Krankenhäuser in Corona-Zeiten, weist aber auch auf die kommenden humanitären Herausforderungen in Zusammenhang mit der der Ukraine-Krise hin. Der Gesundheitsminister betont in Bezug auf das verabschiedete Koalitionspapier: Das DRG-System soll als lernendes System verstanden werden. Es hat einige Schwächen, kann aber saniert werden. Ein erster Schritt war die Einführung des Pflegebudgets. Eine bedarfsgerechte Finanzierung soll der geplante Bund-Länder-Pakt sicherstellen. Für die Ausgestaltung der geplanten Reform wird eine Regierungskommission gebildet.

Diskussion mit Spitzenvertretern aus dem Gesundheitswesen

  • Ursula Nonnemacher, Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

  • Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Krankenhausgesellschaft

  • Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand, GKV-Spitzenverband

  • Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender, Kassenärztliche Bundesvereinigung

Zu Ihrem Einstieg in die Podiumsdiskussion betont Ursula Nonnemacher, dass wir uns mittlerweile in der 6. Welle der Corona-Pandemie befinden. Die Bundesregierung sei weiterhin stark gefordert, auch in Anbetracht der Versorgung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Besonders das Bundesland Brandenburg hat jedoch große Strukturprobleme. Eine sektorübergreifende Versorgung und deren Finanzierung in Form von Hybrid-DRGs sei aus diesem Grund besonders interessant. Die Wichtigkeit der Behebung der Fehlanreize des DRG-Systems durch Vorhaltepauschalen für beispielsweise die Geburtshilfe, unterstützt sie. Digitale Lösungen seien auf großer Fläche absolut notwendig.

Eine Zielperspektive, wie sich die Unternehmen in Zukunft entwickeln sollen ist entscheidend, hebt Dr. Gerald Gaß in seinem Beitrag hervor. Ein Konsens von Bund- und Ländern sei dabei dringend erforderlich. Die Bearbeitung von Einzelthemen wie Vorhaltepauschalen für einzelne Fachabteilungen, führt aus seiner Sicht zu neuen Problemen. Aktuell besteht zudem die Gefahr, dass die Bundesregierung sich im „Krisenmodus“ verliere. In Deutschland wurden wichtige Themen - wie Investitionen und Arbeitsbedingungen in der Pflege - jahrelang nicht behandelt. Den Patienten muss darüber hinaus ein neues Angebot mit vorteilhafter Veränderung gemacht werden – beinhalten kann dies im Bereich Ambulantisierung neue Kooperationsmöglichkeiten mit niedergelassenen Ärzten. Zum Thema Ausgestaltung der Ambulantisierung sieht Dr. Gerald Gaß folgendes Szenario: komplexere Fälle, die noch nicht im AOP-Katalog verankert sind, müssen eine Transformationsprozess und Konvergenzphase mit DRG-Vergütung durchlaufen. Hier sind patientenindividuelle Entscheidung über den Aufenthalt zu treffen. Nach gelungener Konvergenzphase können Kalkulation des InEKs von Hybrid-DRGs erfolgen.

Stefanie Stoff-Ahnis fokussiert in Ihrem Beitrag, dass im Reformpaket erstmals Ansatzpunkte enthalten sind, um Instrumente für qualitative Strukturkriterien durch Zuschläge und Pauschalen einzuführen. In und auch vor der Corona-Pandemie ließ sich ein Fallzahlrückgang in den Krankenhäusern feststellen, dies betrifft besonders ambulant-sensitive Fälle. In der Reform muss sich daran orientiert werden, was die die Bevölkerung, entgegen der Angebotsstruktur, an Gesundheitsversorgung braucht. Für eine nachhaltige Versorgung sind effiziente Strukturen erforderlich. Dafür muss Bevölkerungs- und Morbiditätsbezogen und regional ermittelt werden. Die Ambulantisierung schafft nach Stefanie Stoff-Ahnis neue Struktur im Krankenhausbereich. Zur Finanzierung wird hierfür ein Stufen-Konzept auf Grundlage von qualitativen Strukturanforderungen mit neuer Vergütungskalkulation als Hybrid-DRG (in Richtung AOP-Katalog auf Basis des IBM) gesehen. Die Vergütung kann dann sachgerecht ergänzt werden.

Dr. Andreas Gassen stellt in seinem Beitrag fest: ambulante und stationäre Versorgung stehen vor dem gleichen Problem der knappen Personalbesetzung. Sowohl der niedergelassene Bereich als auch die Krankenhäuser und die Krankenhäuser haben ein gemeinsames Verständnis entwickelt, benötigen jetzt nur die entsprechenden Rahmenbedingungen um zu handeln. Für die Ambulantisierung sind neue Vergütungssystematik notwendig, für alle die diese Leistung erbringen können und dies zu einem gleichen Preis. Dafür muss ein Katalog gemessen an Aufwand, Personal, Qualifikation und besonders schwere Fälle mit Zuschlägen, entstehen. Ziel ist seines Erachtens eine transparente und faire Vergütung zu schaffen.

Zum nächsten Teil: DRG-Forum 2022 - Part 2: DRG-System 2022