Die Coronakrise überschattet alles. Dramatische Szenen mit schrecklichen individuellen Opfern gehen rund um die Welt. Lesen Sie in diesem Artikel, warum ich dennoch optimistisch in die Zukunft blicke und wir vor einem wirtschaftlichen Boom in der Gesundheitswirtschaft stehen könnten.

Die Lage spitzt sich immer weiter zu und viele Gesundheitssysteme insbesondere in Südeuropa arbeiten am Limit. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Arbeitskräfte in den Krankenhäusern vom Arzt über die Pflege bis zur Reinigungskraft.

Trotz all dieser dramatischen Bilder wird sich die Welt weiterdrehen und studiert man die wissenschaftlichen Paper und die Entwicklung der Lage in vielen Ländern, kommt man zu dem Schluss, dass das Coronavirus beherrschbar ist und sich die Lage zügig wieder stabilisieren kann. Hierzu einige Fakten von Ländern, die den Kampf gegen das Virus erfolgreich absolvieren (Stand 20.03.2020):

China, das Land des Ausbruchs, hat das Peak überstanden und das Virus im Griff. Von 1,4 Mrd. Chinesen haben sich 80.967 infiziert (0,006%) - gestorben sind 3.248. Südkorea hat das Peak überstanden. Von 51 Mio. Menschen haben sich 8.652 infiziert (0,017%) -gestorben sind 94. Taiwan hat aus der SARS Krise von 2003 gelernt und von Beginn an klug und rational gehandelt. Von 24 Mio. Menschen haben sich nur 135 trotz der unmittelbaren Nähe zu China und engen wirtschaftlichen Beziehungen angesteckt.

Sehr tragisch wütet das Virus bislang in Italien: Das Epizentrum in Europa verzeichnet hohe Zahlen und schreckliche Bilder. Aber auch hier sind die Virustoten laut Statistiken klar eingrenzbar. Von 60 Mio. Italiener haben sich 53.578 infiziert - gestorben sind 4.825. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 79,5 Jahren. Nur fünf Verstorbene waren unter 40 Jahren mit schweren Vorerkrankungen. Tragisch ist vor allem die hohe Anzahl an Infizierten in der Altersgruppe > 80 Jahren, die eine sehr hohe Letalitätsrate ausweisen.

Eine neue Studie des Korea Centers for Disease Control and Prevention, Cheongju, Korea zeigt wichtige Fakten zur Ausbreitung und Sterblichkeit: Die Letalität von 0,9% erscheint zunächst hoch, doch die Differenzierung in den Altersgruppen und Vorerkrankungen ist enorm.

Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Das Virus ist gefährlich für die Altersgruppe >60 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen. Die anderen Altersgruppen kommen abgesehen von Einzelfällen in der Regel mit dem Virus zurecht. Diese Erkenntnisse müssen massiv in die Bekämpfungsstrategien einfließen.

Ich rechne also mit folgendem Szenario

Die Staaten werden die Strategien von den erfolgreich kämpfenden Virus Ländern adaptieren und so das Virus und dessen Folgen in den Griff bekommen. Eine Strategie zur Eindämmung wäre sicherlich in der Isolierung der >60 Jährigen und der Vorerkrankten zu finden. Diese Personengruppen sollten streng isoliert werden, um sie zu schützen. Neben Isolationen und Ausgangssperren werden die Menschen selbst lernen sich zu schützen. Das sehen wir bereits heute in vielen Städten. Beispielsweise lassen Bäckerein nur noch eine Person in den Verkaufsraum, Menschen werden zunehmend Masken tragen (wenn diese wieder verfügbar sind), Desinfektionsmittel werden bald wieder verfügbar sein. Die ersten Medikamente werden vermutlich bald Wirkung zeigen: Aktuell sind 20 Wirkstoffe in experimentellen Verabreichungen im Einsatz. In Einzelfällen konnten Mediziner damit bereits erste Erfolge erzielen.

Impfstoffe werden bald verfügbar sein: CureVac und BioNTech aus Deutschland sowie Moderna aus den USA sind wohl in der Impfstoffsuche am weitesten und könnten laut eigenen Aussagen im Zuge beschleunigter Zulassungsverfahren im Herbst bereits einen Impfstoff zur Verfügung stellen.

Die Wege aus der Krise sind also bekannt und wenn diese auch in Europa konsequent umgesetzt werden, können wir die Neuinfektionen und Todeszahlen unter Kontrolle bekommen. Es wäre sogar möglich, dass die Todeszahlen unter deren der Grippewelle 2017/2018 zurückbleiben. Damals starben rund 25.100 Menschen (Exess-Schätzung des RKI) allein in Deutschland.

Optimismus: Welcher Boom steht uns bevor?

Werfen wir einen Blick in die Zukunft, um den Optimismus und das Ende des Tunnels nicht aus den Augen zu verlieren. Für den Gesundheitsmarkt stehen alle Zeichen auf Wachstum, wenn wir nicht sogar einen rasanten Boom erleben werden.

Was stimmt mich so positiv?

Ich bin sehr viel in Krankenhäusern unterwegs und als Gründer eines Softwareunternehmens sehe ich ebenfalls die technologischen Möglichkeiten aus nächster Nähe. Digitalisierung und Themen wie Künstliche Intelligenz und Machine Learning haben die Gesundheitskonferenzen schon vor dem Virusausbruch bestimmt. Jetzt aber hat sich ein entscheidendes Puzzlestück gewendet.

Die Anwender im Krankenhaus und im ambulanten Markt werden derzeit gezwungen, voll auf Digitalisierung zu setzen. Das ist die Grundlage für eine prosperierende Entwicklung der Digitalisierung nach der Krise. Hierzu einige Fakten:

Webkonferenzen: In sehr vielen Krankenhäusern war es bislang absolut unüblich Webkonferenzen einzusetzen. Seit zwei Wochen boomen Webkonferenzen. Das bedeutet, dass die Anwender sukzessive vertraut werden mit Anwendungen wie Teamviewer, Microsoft Teams, Webex usw. Die Krankenhäuser rüsten jetzt maximal auf, um weiter mit Mitarbeitern im Homeoffice, Medizintechnikunternehmen und anderen Stakeholdern kommunizieren zu können. Diese Entwicklung wird nach der Krise nicht wieder zurückgedreht, sondern weiter forciert werden, was wiederum die Produktivität massiv steigern wird.

Videosprechstunde: Die Krankenkassen bezahlen alle Videosprechstunden und niedergelassene Ärzte lassen sich zunehmend darauf ein. Die Vorteile liegen auf der Hand. Patienten sparen sich Wege und Zeit und Ärzte können ein komplett neues Dienstleistungsangebot entwickeln. Beim deutschen Marktführer ClickDoc haben sich bereits 7.000 Ärzte registriert. Vom 13. bis zum 17. März ist die Zahl von 5.000 auf 7.000 gestiegen.

Gesetzlicher Rettungsschirm für Krankenhäuser: Die Bundesregierung hat einen Rettungsschirm für Krankenhäuser aufgespannt. Konkret sollen die Häuser durch die Krise weder in Liquiditätsengpässe noch in Defizite rutschen. Hierdurch wird die Nachfrage der Krankenhäuser nach Material und Investitionen trotz in diesem Jahr vermutlich sinkender Fallzahlen nicht abflachen.

Strukturelle Maßnahmen: Darüber hinaus rechne ich damit, dass die Regierung nach der Krise hohe Investitionsmittel zur Verfügung stellen wird, so dass diese massiv in die Digitalisierungsstruktur und auch die medizin-technische Infrastruktur investieren können.

Innovationen: Auch die Innovationsgeschwindigkeit möchte der Bund seit längerem forcieren. Vielleicht werden wir hierzu eine Anpassung des Vergütungssystems sehen.

Fazit

Alle diese Punkte lassen mich sehr optimistisch in die Zukunft blicken. Wir werden die Krise meistern und unser Gesundheitssystem wird ein wichtiger Wachstumsmotor für die Gesamtwirtschaft bleiben, vielleicht wird er wichtiger und größer denn je.

Wissenschaftlichen Ergebnisse & theoriegeleitete Analysen der BinDoc GmbH werden in Aufsätzen, Fachbeiträgen und in Sammelbänden veröffentlicht.

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